“Die Ausbeutung in den Schlachthöfen ist noch nicht zu Ende” – SPD Sögel stellt sich hinter die Forderungen der Gewerkschaft nach höherem Mindestlohn und Tarifvertrag in der Fleischwirtschaft  

Die SPD Sögel fordert höhere Löhne, besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz und vernünftigen Wohnraum für die Schlachthof-Beschäftigten. Von links: Lars Bollmann, Silke Helbich, Ralf Schröder

Bei den Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und den Arbeitgebern der deutschen Fleischwirtschaft am vergangenen Donnerstag(11.03.21) konnte kein Ergebnis erzielt werden. In einer Pressemitteilung zeigt sich Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft NGG, enttäuscht, dass die Arbeitgeber kein konkretes Angebot vorgelegt hätten. Es sei höchste Zeit, dass sie endlich das Signal an die Beschäftigten senden, ernsthaft mit den Niedriglöhnen in der Fleischwirtschaft Schluss machen zu wollen. “Es bleibt bei unserer Forderung nach einem dreistufigen Mindestlohntarifvertrag und einem Mindestlohn von 12,50 Euro“, so der Gewerkschafts-Vertreter. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 16. März geplant.

“Wir stehen hundertprozentig hinter den Forderungen der Gewerkschaft. Die Abschaffung der Werkverträge in der Fleischbranche war nur der erste Schritt. Jetzt müssen die Firmen, wie zum Beispiel Weidemark in Sögel, ihren Mitarbeiter:innen spürbare Verbesserungen zukommen lassen und deutlich höhere Löhne bezahlen”, erklärt Silke Helbich vom SPD-Ortsverein Sögel und Bewerberin für die SPD-Bundestagskandidatur im Wahlkreis Unterems. Sie sieht noch immer große soziale Ungerechtigkeiten in der Branche: “Die Ausbeutung in den Schlachthöfen ist noch nicht zu Ende”.

In zwei Stufen sollen die Mindestlöhne erst auf 12,50 € für alle Beschäftigten und nach kurzer Einarbeitung auf 14 € erhöht werden. Für Facharbeiter soll der Mindestlohn gleich 17 Euro betragen. Außerdem fordert die NGG einen weiteren Tarifvertrag, in dem die Mindestarbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Zuschläge und Urlaub für die rund 160.000 Beschäftigten in der Branche geregelt werden. Diese Regelungen sollen dann für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft gelten, unabhängig davon, ob ein Arbeitgeber tarifgebunden ist oder nicht.

Bereits im letzten Herbst hatten die Sögeler Sozialdemokraten sich zu Wort gemeldet und die Abschaffung der Werkverträge, mehr Gesundheitsschutz und bessere Löhne in der Fleischindustrie eingefordert. Damals hatte die CDU-Fraktion im Bundestag das von SPD-Arbeitsminister Heil vorgelegte Arbeitsschutzkontrollgesetz blockiert. Im Dezember passierte das Gesetz doch noch den Bundestag.

Auch die Wohnsituation der Weidemark-Mitarbeiter:innen in der Samtgemeinde Sögel muss sich grundlegend verbessern. “Nur weil Tönnies nun als Vermieter auftritt, heißt das noch lange nicht, dass die Beschäftigten gute und ausreichend große Wohnungen haben”, erklärt SPD-Ratsherr Ralf Schröder. Die SPD Sögel fordert klare und überprüfbare Wohnraum-Standards, den sogenannten “Sögeler Weg” halten sie nicht für ausreichend. Laut Matthias Brümmer, Geschäftsführer der NGG in der Region Oldenburg/Ostfriesland, ist hinsichtlich der Wohnverhältnisse bisher “nur neuer Wein in alte Schläuche gefüllt worden“.

Aktuell gibt es wieder vermehrt Corona-Infektionen im Sögeler Schlachthof Weidemark. “Wir werden genau beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen hier entwickelt. Eine Arbeitsquarantäne wie im letzten Oktober lehnen wir ab, da die Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen an oberster Stelle stehen”, so die klare Position von Silke Helbich von der SPD Sögel. NGG Gewerkschafts-Chef Matthias Brümmer sieht das genauso: “Sollte der Landkreis Emsland wieder eine Arbeitsquarantäne anordnen, werden wir dagegen vorgehen”.

Hier geht`s zur Pressemitteilung der SPD Sögel vom November 2020:
Jeder Mensch verdient sichere, gesunde Arbeitsbedingungen und fairen Lohn