CDU-Plan auf dem Rücken der Betreuungskräfte? SPD Ortsverein Lingen warnt vor „Schnellschüssen“ bei Kita-Öffnung in den Ferien: generelle Öffnung nicht realisierbar.

In der LT vom 13.05. 2020 wird von der Forderung der CDU berichtet, die Kitas in Lingen in den Sommerferien nicht zu schließen, sondern aufgrund der bereits vorangegangenen Schließungen wegen der Corona-Pandemie geöffnet zu lassen.

Dieser Vorschlag klingt auf den ersten Blick plausibel: Eltern müssen zwecks Kinderbetreuung nicht schon wieder Urlaub nehmen, Kinder müssen nicht „schon wieder“ zu Hause beschäftigt und betreut werden.

Schaut man genauer hin, hat dieser Plan aber seine Tücken:

In vielen Kindergärten ist die Personaldecke auch in normalen Zeiten äußerst dünn. In der Corona-Zeit fehlt von dem knappen Personal noch ein nicht unerheblicher Anteil, weil Erzieherinnen ggf. selbst zur Risikogruppe gehören oder weil Erzieherinnen Mütter sind, deren schulpflichtige Kinder ebenfalls seit Wochen zu Hause betreut werden müssen.

Dadurch ist es in vielen Kitas ohnehin kaum möglich, die Notbetreuung zu organisieren und über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten, zumal die Anfragen und Ansprüche in den nächsten Wochen weiter zunehmen werden, da das Land eine Ausweitung der Notbetreuung auf bis zu 40% vorsieht.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass auch Erzieherinnen gesetzlich festgelegte Urlaubsansprüche haben und ihnen diese, gerade in so belasteten Zeiten wie diesen, schlechterdings verweigert werden können.

Hierzu ein Original-Zitat einer Erzieherin, mit der der SPD Ortsverein ein Gespräch zu diesem Thema geführt hat: „Wir finden, dass Erzieher*innen sich ihren Jahresurlaub mehr als verdient haben. Viele sind durch die vergangenen Wochen urlaubsreif, da nahezu täglich neue Verordnungen zu studieren und umzusetzen sind. Dazu kommt die sogenannte Notbetreuung, die angeboten werden muss. Nebenher startet das neue Kita-Jahr, alle neuen Kinder werden eingewöhnt. Es besteht jetzt schon große Sorge, wie das funktionieren soll, wenn das Personal völlig am Ende seiner Kräfte ist. Letztlich müssen die Betreuungskräfte und Erzieher*innen das tun, was das Ministerium vorschreibt.“

So sollte man doch, statt pauschal eine generelle Öffnung der Kindergärten in den Ferien zu fordern, versuchen, Einzelfall-Lösungen zu finden: abhängig vom Bedarf und der Personalsituation lässt sich sicher in der einen Kita ermöglichen, was in der anderen nicht geht. Hierbei sollte auch die Mitbestimmung des Personals sichergestellt werden. Außerdem müssten zusätzliche, vorgeschriebene Vertretungskräfte gefunden werden. Wer stellt angesichts der teuren Corona-Hilfen die Finanzierung eines solchen Versprechens, auch für die nicht-städtischen Einrichtungen, sicher?

Langfristig tut sich hier – so wie an vielen anderen Stellen – eine riesige Baustelle für die Stadt und die Kita-Träger auf, denn Personalprobleme, zunehmende Bürokratie und andere Erschwernisse der Kita-Arbeit verschwinden auch dann nicht, wenn das Virus erfolgreich eingedämmt wird.